MPU unter 1,6 Promille: Wann darf die Behörde sie verlangen?
Sie sind mit mehr als 1,1, aber weniger als 1,6 Promille gefahren, der Führerschein ist weg. Nun stellt sich die Frage: Droht eine MPU unter 1,6 Promille? Viele Betroffene fürchten, dass der Weg zurück ans Steuer an der medizinisch-psychologischen Untersuchung scheitert. Die gute Nachricht: Eine Trunkenheitsfahrt unter 1,6 Promille allein rechtfertigt keine MPU. Die schlechte: Schon ein auffällig „nüchterner“ Eindruck bei der Kontrolle kann genügen, um sie doch anzuordnen. Es ist nicht fair, wenn ein einmaliger Fehler pauschal wie ein Alkoholproblem behandelt wird. Oft entscheidet sich deshalb schon in den ersten Stunden nach der Kontrolle, ob Sie eine MPU vermeiden können.
Wann droht eine MPU unter 1,6 Promille?
Nach § 13 FeV verlangt die Fahrerlaubnisbehörde eine MPU regelmäßig erst ab 1,6 Promille Blutalkohol oder 0,8 mg/l Atemalkohol. Darunter braucht sie zusätzliche Tatsachen, die künftigen Alkoholmissbrauch nahelegen. Die strafrechtliche Verurteilung und die Entziehung der Fahrerlaubnis reichen dafür nicht. So hat es das Bundesverwaltungsgericht am 6. April 2017 entschieden (3 C 24.15 und 3 C 13.16).
| Blutalkohol / Situation | Rechtliche Einordnung | MPU? |
|---|---|---|
| 0,5 bis 1,09 ‰ ohne Fahrfehler | Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG: Bußgeld, Fahrverbot, Punkte | Beim ersten Verstoß in der Regel nein |
| ab 0,3 ‰ mit Fahrfehler oder Ausfallerscheinung | Trunkenheitsfahrt nach § 316 StGB (relative Fahruntüchtigkeit) | Nur bei zusätzlichen Tatsachen |
| 1,1 bis 1,59 ‰ mit dem Auto | Trunkenheitsfahrt (absolute Fahruntüchtigkeit), Entziehung der Fahrerlaubnis | Nur bei zusätzlichen Tatsachen – etwa fehlenden Ausfallerscheinungen |
| ab 1,6 ‰ – auch mit dem Fahrrad | Trunkenheitsfahrt nach § 316 StGB | Ja, regelmäßig nach § 13 Satz 1 Nr. 2c FeV |
| Wiederholte Alkoholfahrt (auch als Ordnungswidrigkeit) | Wiederholte Zuwiderhandlung | Ja, nach § 13 Satz 1 Nr. 2b FeV – unabhängig vom Promillewert |
Der „Fahrrad-Grenzwert“ gilt auch für Pedelecs – was nach einer Trunkenheitsfahrt mit dem E-Bike für Ihren Führerschein folgt, lesen Sie hier. Einen ausführlichen Überblick über alle Grenzwerte finden Sie in meinem Beitrag zu Alkohol im Straßenverkehr, Promille und Folgen.
Was bedeuten fehlende Ausfallerscheinungen für die MPU unter 1,6 Promille?
Das Bundesverwaltungsgericht sieht darin ein Zeichen für außergewöhnliche Alkoholgewöhnung (Urteil vom 17. März 2021, 3 C 3.20). Wer ab 1,1 Promille weder torkelt noch lallt, trinkt nach dieser Logik regelmäßig größere Mengen. Die Behörde darf dann nach § 13 Satz 1 Nr. 2a FeV eine MPU verlangen – auch unterhalb von 1,6 Promille.

Bei der Kontrolle nach einer Trunkenheitsfahrt wird festgehalten, wie Sie wirken – das kann später über die MPU mitentscheiden.
Woher weiß die Fahrerlaubnisbehörde, wie Sie gewirkt haben?
Grundlage sind vor allem der Polizeibericht und das ärztliche Protokoll bei der Blutentnahme. Dort werden Gang, Sprache, Pupillen und Tests wie die Finger-Finger-Probe festgehalten. Steht dort „unauffällig“, kann das später gegen Sie verwendet werden. Ich prüfe diese Protokolle für Sie genau – sie sind nicht selten lückenhaft, widersprüchlich oder schematisch ausgefüllt.
Welche Aussagen bei der Polizei können eine MPU auslösen?
Gefährlich sind Sätze wie „Ich vertrage viel“ oder „Ich trinke abends immer ein paar Bier“. Sie liefern der Behörde genau die Zusatztatsachen, die ihr unter 1,6 Promille fehlen. Als Beschuldigter müssen Sie nach § 136 StPO nichts zur Sache sagen. Viele Betroffene unterschätzen, wie lange ein unbedachter Satz im Protokoll nachwirkt.
Welche Strafe droht bei einer Trunkenheitsfahrt nach § 316 StGB?
Das Gesetz sieht Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor. Beim ersten Mal ergeht meist ein Strafbefehl mit Geldstrafe. Hinzu kommt in der Regel die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 69 StGB. Außerdem folgen eine Sperrfrist von sechs Monaten bis fünf Jahren nach § 69a StGB und drei Punkte in Flensburg.
Warum entscheidet schon das Strafverfahren über die spätere MPU?
Strafgericht und Fahrerlaubnisbehörde arbeiten getrennt, doch die Behörde liest die Strafakte. Was dort über Trinkgewohnheiten oder Ausfallerscheinungen steht, wertet sie bei der Neuerteilung aus. Als Fachanwalt für Strafrecht beantrage ich für Sie früh Akteneinsicht und achte darauf, dass keine unnötigen Feststellungen entstehen. So bleiben Ihnen Handlungsspielräume für die Zeit nach der Sperrfrist.

Für die Neuerteilung der Fahrerlaubnis zählt, was in der Akte steht – nicht nur der gemessene Promillewert.
Wie bekommen Sie Ihren Führerschein ohne MPU unter 1,6 Promille zurück?
Den Antrag auf Neuerteilung stellen Sie rechtzeitig vor Ablauf der Sperrfrist, meist drei bis sechs Monate vorher. Liegen keine Zusatztatsachen vor, darf die Behörde keine MPU verlangen. Verweigert sie die Fahrerlaubnis trotzdem, lässt sich das gerichtlich überprüfen. Ziel ist, dass Sie im besten Fall pünktlich und ohne Umweg über die MPU wieder selbst fahren.
Welche Tipps gibt´s vom Strafverteidiger zum Schluss?
Strafverteidiger-Tipp 1: Je früher Sie einen Anwalt hinzuziehen und je früher dieser die Möglichkeit hat, lenkend einzugreifen, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse, die in Ihrem Ermittlungsverfahren bzw. in Ihrem Strafverfahren erreicht werden können.
Strafverteidiger-Tipp 2: Machen Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch! Es ist eines Ihrer wichtigsten Beschuldigtenrechte. Sie müssen sich nicht selbst belasten. Sie sollen keine Aussage zur Sache machen. Folgen Sie daher auch nicht der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, sondern kontaktieren Sie vorher einen auf das Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt.
Sprechen Sie bitte nicht mit der Polizei, reden Sie mit mir!
So geht´s weiter:
- Sie kontaktieren mich unter 089/228433-55.
- Sie erhalten einen Termin binnen 48 Stunden.
- Wir besprechen Ihren Fall inklusive Chancenbewertung.
- Nach Beauftragung durch Sie nehme ich Akteneinsicht.
- Sobald die Akte vorliegt, planen wir gemeinsam unsere Strategie.