Drogen per Post aus dem Darknet: Darf die Post Pakete melden?

Sie haben Drogen per Post aus dem Darknet bestellt, oder man wirft Ihnen genau das vor? Dann fragen Sie sich jetzt vermutlich, ob der Paketbote Ihre Sendung geöffnet hat und was die Polizei bereits weiß. Seit 2021 müssen Postdienstleister verdächtige Sendungen den Strafverfolgungsbehörden vorlegen. Seit Juli 2024 steht diese Pflicht im neuen Postgesetz, und sie erfasst inzwischen auch Cannabis. Viele Betroffene empfinden es als unfair, dass eine Adresse auf einem Paket ein ganzes Strafverfahren auslösen kann. Hier erfahren Sie, was die Post darf und was nicht. Außerdem lesen Sie, wie Sie sich bei Vorladung, Hausdurchsuchung, Strafbefehl und Anklage richtig verhalten.

Was regelt das Postgesetz bei Drogen per Post?

Postdienstleister müssen eine Sendung unverzüglich der Polizei oder Staatsanwaltschaft vorlegen, wenn sie zulässig vom Inhalt erfahren haben und konkrete Anhaltspunkte für eine Katalogstraftat bestehen. Seit dem 19. Juli 2024 ist dies in § 64 Abs. 5 PostG geregelt.

Welche Straftaten lösen die Vorlagepflicht der Post aus?

Der Katalog reicht weit über klassische Betäubungsmittel hinaus. Er erfasst auch Cannabis nach dem KCanG, Dopingmittel und Verstöße gegen das NpSG. Wichtig: Die Vorlage beweist noch keine Straftat. Sie liefert den Ermittlern nur einen Anfangsverdacht.

GesetzTypischer Inhalt der Postsendung
§§ 29–30b BtMGKokain, Amphetamin, MDMA, Heroin, LSD
§ 34 KCanGMarihuana, Haschisch, vor allem aus dem Ausland
§ 25 MedCanGMedizinalcannabis ohne Erlaubnis
§ 4 NpSG„Legal Highs“, Research Chemicals, Kräutermischungen
§§ 95, 96 AMGVerschreibungspflichtige oder bedenkliche Arzneimittel
§ 4 AntiDopGAnabolika, Steroide, Testosteron
§§ 51, 52 WaffGWaffen, Waffenteile, Munition
SprengG, KrWaffKontrG, GÜG, AusgStGSprengstoff, Kriegswaffen, Drogengrundstoffe, Ausgangsstoffe

Wie ein solches Verfahren im Dopingbereich konkret abläuft, zeigen die Ermittlungsverfahren gegen Kunden der Roidstation.

Nur wenn ein Paket beschädigt oder unzustellbar ist, darf die Post hineinsehen. Erst dann greift die Vorlagepflicht nach § 64 PostG.

Darf die Post jedes Paket öffnen, um Drogen per Post zu finden?

Nein. Das Postgeheimnis gilt weiter. Es wird nur für die Katalogtaten eingeschränkt. Öffnen dürfen Mitarbeiter eine Sendung nur in den engen Fällen des § 64 Abs. 4 PostG. Das betrifft etwa unzustellbare oder beschädigte Sendungen oder eine Gefahr für Personen. Gezielte Suchen nach Drogen oder Dopingmitteln sind unzulässig. Paketboten sind keine Hilfspolizisten.

Was passiert, nachdem die Post ein Drogenpaket vorgelegt hat?

Die Staatsanwaltschaft leitet in der Regel ein Ermittlungsverfahren gegen den Adressaten ein. Nach § 99 Abs. 2 StPO dürfen Ermittler zusätzlich Auskunft über frühere Sendungen verlangen. Abhängig beispielsweise von Art und Inhalt des enthaltenen Betäubungsmittels folgen eine Vorladung oder eine Hausdurchsuchung. Welche Folgen eine Darknet-Bestellung insgesamt haben kann, lesen Sie in meinem Überblick zur Drogenbestellung im Darknet.

Wie verhalte ich mich bei der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung?

Als Fachanwalt für Strafrecht rate ich Ihnen: Schweigen Sie zur Sache. Nach § 136 StPO müssen Sie sich nicht selbst belasten. Pflicht sind nur Angaben zu Ihren Personalien. Einer Ladung der Polizei müssen Sie nicht folgen. Ich sage den Termin für Sie ab und beantrage Akteneinsicht. So wissen Sie, was man Ihnen vorwirft, bevor Sie irgendetwas erklären.

Was tun bei einer Hausdurchsuchung wegen Drogen per Post?

Bleiben Sie ruhig und leisten Sie keinen Widerstand. Machen Sie aber keine Angaben zur Sache, auch nicht „zur Beruhigung der Lage“. Viele Beschuldigte unterschätzen, wie stark spontane Äußerungen an der Wohnungstür das spätere Verfahren prägen. Verlangen Sie den Durchsuchungsbeschluss und ein Verzeichnis der beschlagnahmten Gegenstände. Rufen Sie danach mich an. Ich prüfe für Sie, ob die Durchsuchung rechtmäßig war.

Reicht ein abgefangenes Drogenpaket für eine Verurteilung?

Nicht automatisch. Ihre Adresse auf einem Paket beweist nicht, dass Sie es bestellt haben oder vom Inhalt wussten. Absender nutzen fremde Namen, Nachbarn nehmen Pakete an. Ich prüfe in solchen Fällen für Sie, welche weiteren Beweise tatsächlich vorliegen, etwa Zahlungsdaten, Chatverläufe oder frühere Sendungen. Auch eine rechtswidrige Öffnung des Pakets kann die Verwertbarkeit in Frage stellen.

Ein Strafbefehl wegen eines BtMG-Verstoßes wird nach zwei Wochen rechtskräftig. Ein Einspruch muss deshalb rechtzeitig eingelegt werden.

Wie reagiere ich auf Strafbefehl oder Anklageschrift wegen Drogen per Post?

Handeln Sie sofort. Gegen einen Strafbefehl bleiben Ihnen nach § 410 StPO nur zwei Wochen für den Einspruch. Sonst wirkt er wie ein rechtskräftiges Urteil, mit Vorstrafe und möglichen Folgen bei der Führerscheinstelle. Ziel meiner Verteidigung ist im besten Fall eine Einstellung, etwa nach § 31a BtMG. Dann können Sie ohne Eintrag nach vorn schauen.

Welche Tipps gibt´s vom Strafverteidiger zum Schluss?

Strafverteidiger-Tipp 1: Je früher Sie einen Anwalt hinzuziehen und je früher dieser die Möglichkeit hat, lenkend einzugreifen, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse, die in Ihrem Ermittlungsverfahren bzw. in Ihrem Strafverfahren erreicht werden können.
Strafverteidiger-Tipp 2: Machen Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch! Es ist eines Ihrer wichtigsten Beschuldigtenrechte. Sie müssen sich nicht selbst belasten. Sie sollen keine Aussage zur Sache machen. Folgen Sie daher auch nicht der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, sondern kontaktieren Sie vorher einen auf das Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Sprechen Sie bitte nicht mit der Polizei, reden Sie mit mir!

So geht´s weiter:

  • Sie kontaktieren mich unter 089/228433-55.
  • Sie erhalten einen Termin binnen 48 Stunden.
  • Wir besprechen Ihren Fall inklusive Chancenbewertung.
  • Nach Beauftragung durch Sie nehme ich Akteneinsicht.
  • Sobald die Akte vorliegt, planen wir gemeinsam unsere Strategie.