Untersuchungshaft: Angehöriger verhaftet – was jetzt zu tun ist
Sie werden es als einen der schlimmsten Tage Ihres Lebens in Erinnerung behalten. Sie erhalten einen Anruf, möglicherweise nachts um 03:00 Uhr:
- „Mama, ich bin verhaftet worden“ oder
- „Papi, hol mich hier raus“ oder
- „Liebling, bitte hilf mir, ich brauche dringend einen Anwalt“ oder
- „Kumpel, ich bin in ernsthafte Schwierigkeiten, kümmer Dich um einen Strafverteidiger.“
Plötzlich droht Untersuchungshaft – für einen Menschen, für den noch die Unschuldsvermutung gilt. Angst, Hilflosigkeit und tausend Fragen sind jetzt völlig normal. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, was in den nächsten Stunden wirklich zählt.
Angehöriger verhaftet: Was sollten Sie sofort tun?
Bleiben Sie ruhig und gehen Sie mit dem Verhafteten am Telefon diese Punkte durch:
- „Beantworte nur meine Fragen, sage sonst absolut nichts.“
- Name, Dienststelle und Telefonnummer des Polizeibeamten erfragen.
- „Mach keine Angaben, bis Dein Strafverteidiger da ist!“ (§ 136 StPO)
- Zusagen, dass Sie einen Strafverteidiger schicken – und erneut an das Schweigerecht erinnern.
Wann darf Untersuchungshaft angeordnet werden?
Untersuchungshaft setzt nach § 112 StPO einen dringenden Tatverdacht und einen Haftgrund voraus. Haftgründe sind vor allem Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr und – bei bestimmten Delikten – Wiederholungsgefahr. Zudem muss die Haft verhältnismäßig sein. Wann die Justiz eine Beweismanipulation befürchtet, erkläre ich im Beitrag zur Verdunkelungsgefahr als Haftgrund.

Nach einer Verhaftung entscheidet der Ermittlungsrichter innerhalb kurzer Zeit, ob ein Haftbefehl vollzogen wird.
Wie läuft es nach der Verhaftung ab?
Der Festgenommene muss unverzüglich, spätestens am Tag nach der Festnahme, dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden (§ 115 StPO, § 128 StPO). Dort wird der Haftbefehl verkündet oder erst erlassen. Angehörige werden nach § 114c StPO benachrichtigt. Bereits in diesem Termin lässt sich über eine Verschonung verhandeln.
| Phase | Was passiert? | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Festnahme | Polizei nimmt fest, Belehrung über Schweigerecht und Verteidiger | §§ 127, 114b StPO |
| Vorführung | Spätestens am Tag nach der Festnahme vor dem Ermittlungsrichter | §§ 115, 128 StPO |
| Haftbefehl | Vollzug der U-Haft oder Außervollzugsetzung gegen Auflagen | §§ 114, 116 StPO |
| Überprüfung | Haftprüfung oder Haftbeschwerde jederzeit möglich | §§ 117, 304 StPO |
| Nach 6 Monaten | Fortdauer nur in Ausnahmefällen, Prüfung durch das Oberlandesgericht | §§ 121, 122 StPO |
Hat der Verhaftete in der U-Haft Anspruch auf einen Anwalt?
Ja. Wird jemand zur Entscheidung über Haft vorgeführt, liegt ein Fall der notwendigen Verteidigung vor (§ 140 StPO). Der Verhaftete darf seinen Strafverteidiger selbst wählen – auch als Pflichtverteidiger. Die Staatskasse zahlt zunächst. Nur bei einer späteren Verurteilung können die Kosten zurückgefordert werden.
Wie lässt sich Untersuchungshaft beenden oder verkürzen?
Häufig wird der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt (§ 116 StPO), etwa gegen Kaution, Meldepflicht oder Kontaktverbot. Außerdem ist jederzeit eine Haftprüfung möglich (§ 117 StPO). Als Strafverteidiger nehme ich für Sie Akteneinsicht und prüfe, ob Tatverdacht und Haftgrund tatsächlich tragen.
Welche Fehler sollten Angehörige während der U-Haft vermeiden?
Besuche, Telefonate und Briefe in der U-Haft werden in der Regel überwacht (§ 119 StPO). Sprechen Sie dort nie über den Tatvorwurf. Nehmen Sie keinen Kontakt zu Zeugen auf – das kann Verdunkelungsgefahr begründen. Viele Angehörige wissen nicht, dass sie selbst als Zeugen geladen werden können. Ein Zeugnisverweigerungsrecht haben nur nahe Angehörige.

Erst die Akteneinsicht zeigt, ob der Haftbefehl einer Haftprüfung standhält.
Wie lange darf Untersuchungshaft dauern?
U-Haft ist keine Strafe und darf nur so lange dauern wie unbedingt nötig. Über sechs Monate hinaus ist sie nur ausnahmsweise zulässig; dann prüft das Oberlandesgericht (§ 121 StPO). Für die Wiederholungsgefahr gilt eine Höchstgrenze von einem Jahr – mehr dazu im Beitrag U-Haft: Wiederholungsgefahr (§ 112a StPO).
Wie kann es nach einer Verhaftung im besten Fall weitergehen?
Ziel ist, dass Ihr Angehöriger schon nach dem Vorführungstermin oder der ersten Haftprüfung wieder zu Hause ist – mit Auflagen statt Gitterstäben. Dann lässt sich die Verteidigung in Ruhe vorbereiten. Wer früh einen Strafverteidiger einschaltet, sorgt dafür, dass der entscheidende Vorführungstermin nicht ohne Verteidigung stattfindet.
Welche Tipps gibt´s vom Strafverteidiger zum Schluss?
Strafverteidiger-Tipp 1: Je früher Sie einen Anwalt hinzuziehen und je früher dieser die Möglichkeit hat, lenkend einzugreifen, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse, die in Ihrem Ermittlungsverfahren bzw. in Ihrem Strafverfahren erreicht werden können.
Strafverteidiger-Tipp 2: Machen Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch! Es ist eines Ihrer wichtigsten Beschuldigtenrechte. Sie müssen sich nicht selbst belasten. Sie sollen keine Aussage zur Sache machen. Folgen Sie daher auch nicht der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, sondern kontaktieren Sie vorher einen auf das Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt.
Sprechen Sie bitte nicht mit der Polizei, reden Sie mit mir!
So geht´s weiter:
- Sie kontaktieren mich unter 089/228433-55.
- Sie erhalten einen Termin binnen 48 Stunden.
- Wir besprechen Ihren Fall inklusive Chancenbewertung.
- Nach Beauftragung durch Sie nehme ich Akteneinsicht.
- Sobald die Akte vorliegt, planen wir gemeinsam unsere Strategie.