Strafbefehl Kokain – Einspruch, Einspruchsfrist, Strafe, Führungszeugnis, Ablauf

Sie haben einen Strafbefehl wegen Kokain erhalten und wissen nicht, wie Sie reagieren sollen? Das ist eine ernste Situation – aber keine hoffnungslose. Als Fachanwalt für Strafrecht in München erlebe ich täglich, dass Betroffene in dieser Lage überfordert sind und wertvolle Zeit verlieren. Dabei kommt es jetzt auf schnelles und überlegtes Handeln an. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen verständlich, was ein Strafbefehl bedeutet, welche Konsequenzen drohen und warum der Gang zum Anwalt entscheidend sein kann.

Was ist ein Strafbefehl und wann wird er bei Kokain-Delikten eingesetzt?

Ein Strafbefehl ist eine Art „schriftliches Urteil“ ohne mündliche Verhandlung. Die Staatsanwaltschaft beantragt ihn beim Amtsgericht, wenn der Sachverhalt aus ihrer Sicht klar ist und eine Freiheitsstrafe von maximal einem Jahr – zur Bewährung – in Betracht kommt. Letzteren ist allerdings nur möglich, falls der Beschuldigte einen Strafverteidiger hat. Bei Kokain-Delikten kommt das Strafbefehlsverfahren häufig bei einfachem Besitz oder Erwerb kleinerer Mengen zum Einsatz. Rechtsgrundlage ist § 407 StPO.

Welche Strafen drohen beim Strafbefehl wegen Kokain?

Im Strafbefehl können Geldstrafen, Fahrverbote, die Einziehung von Gegenständen oder eine Freiheitsstrafe auf Bewährung festgesetzt werden. Bei Kokain als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel drohen nach § 29 BtMG bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe – im Strafbefehlsverfahren jedoch maximal ein Jahr Bewährungsstrafe. Die konkrete Höhe hängt von Menge, Vorstrafen und Begleitumständen ab.

Was bedeutet „geringe Menge“ Kokain – und warum ist das entscheidend?

Der Begriff „geringe Menge“ ist im Betäubungsmittelgesetz nicht exakt definiert, spielt aber eine zentrale Rolle. In Bayern gilt nach gängiger Praxis eine Menge von ca. 0,3 g Kokain als gering. Liegt die sichergestellte Menge darunter, kann die Staatsanwaltschaft das Verfahren nach § 31a BtMG einstellen. Diese Vorgehensweise werden allerdings die bayerischen Staatsanwaltschaften  in aller Regel mit dem Argument ablehnen, bei Kokain handle es sich um eine harte Droge und für solche sei eine Einstellung nach § 31a BtMG nicht vorgesehen. Eine entsprechende Beschränkung der Anwendungsbereichs des § 31a BtMG ergibt sich aus der Vorschrift selbst nicht.

Unterschied zwischen Besitz, Erwerb und Handel: Warum macht das strafrechtlich einen großen Unterschied?

TatvorwurfRechtsgrundlageStrafrahmenStrafbefehl möglich?
Besitz (geringe Menge)§ 29 BtMGbis 5 Jahre / GeldstrafeJa, häufig
Erwerb§ 29 BtMGbis 5 Jahre / GeldstrafeJa
Handel / Abgabe§ 29 BtMGbis 5 Jahre / GeldstrafeSelten
bewaffneter oder bandenmäßiger Handel§ 30a BtMGmin. 5 JahreNein

Die Unterscheidung ist nicht nur akademisch: Wer lediglich für den Eigenbedarf besitzt, wird regelmäßig milder behandelt als jemand, dem Handel nachgewiesen wird. Schon kleine Mengenunterschiede oder Umstände wie mitgeführte Waagen oder größere Bargeldmengen können den Vorwurf des Handeltreibens begründen – teils auch mit deutlich höherem Strafrahmen beispielsweise beim Vorliegen einer nicht geringen Menge von Kokain nach § 29a BtMG.

Strafbefehl erhalten – was sind die nächsten Schritte?

Zunächst: Bewahren Sie Ruhe und handeln Sie nicht überstürzt. Legen Sie den Strafbefehl nicht einfach beiseite – er gilt als Urteil, wenn Sie nichts unternehmen. Notieren Sie das Datum der Zustellung, denn ab diesem Zeitpunkt läuft die Einspruchsfrist. Kontaktieren Sie umgehend einen Fachanwalt für Strafrecht. Machen Sie gegenüber Behörden bis dahin keine Angaben zur Sache – das Schweigerecht ist Ihr wichtigstes Recht in dieser Phase.

Wie lange habe ich Zeit, gegen einen Strafbefehl Einspruch einzulegen?

Die Einspruchsfrist beträgt nach § 410 StPO genau zwei Wochen ab Zustellung des Strafbefehls. Diese Frist ist eine sogenannte Notfrist – sie kann grundsätzlich nicht verlängert werden. Versäumen Sie sie, wird der Strafbefehl rechtskräftig. In absoluten Ausnahmefällen ist eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand möglich, etwa bei nachgewiesener unverschuldeter Fristversäumnis gemäß § 44 StPO.

Was passiert, wenn ich keinen Einspruch einlege – und wann ist das sinnvoll?

Ohne Einspruch wird der Strafbefehl rechtskräftig und hat dieselbe Wirkung wie ein Urteil nach einer Hauptverhandlung. Das ist nicht immer die schlechtere Option: Wenn die Beweislage eindeutig ist, die angesetzte Strafe verhältnismäßig gering ausfällt und kein Eintrag ins Führungszeugnis droht, kann ein bewusstes Akzeptieren sinnvoll sein. Diese Abwägung sollte jedoch niemals ohne anwaltliche Beratung erfolgen.

Was passiert nach dem Einspruch – kommt es automatisch zur Hauptverhandlung?

In der Regel wird es nach dem Einspruch zu einer Hauptverhandlung kommen. Hier gilt: Das Gericht kann auch höhere Strafe verhängen als im Strafbefehl festgesetzt (§ 411 Abs. 4 StPO). Denn beim Strafbefehl ist die sog. Geständnisfiktion zu Grunde gelegt. Das bedeutet, dass bei der im Strafbefehl verhängten Rechtsfolge – Geldstrafe etc. – ein fiktives Geständnis angenommen wird. Bei einer Verurteilung nach Einspruch und bestreitender Einlassung in der Hauptverhandlung fällt der Geständnisbonus weg, die Strafe fällt folglich höher aus.

Kann ein Strafbefehl wegen Kokain zu einem Eintrag im Führungszeugnis führen?

Ja – und das ist für viele Betroffene die gravierendste Folge. Geldstrafen von mehr als 90 Tagessätzen werden ins Bundeszentralregister eingetragen und erscheinen im Führungszeugnis. Gleiches gilt, wenn sich im BZR bereits eine Eintragung findet. Das kann berufliche Konsequenzen haben, etwa bei Berufen mit Zuverlässigkeitsanforderungen. Ein Anwalt kann gezielt darauf hinarbeiten, die Strafe unter dieser Schwelle zu halten oder eine Einstellung zu erreichen – beides vermeidet den Eintrag.

Droht mir der Verlust meines Führerscheins oder meiner Berufserlaubnis?

Beim bloßen Besitz von Kokain ist ein direkter Führerscheinentzug im Strafverfahren regelmäßig nicht vorgesehen – anders als bei Fahren unter BtM-Einfluss. Jedoch wird die Fahrerlaubnisbehörde parallel ein verwaltungsrechtliches Verfahren einleiten und die Fahreignung im Rahmen eines fachärztlichen Gutachtens oder einer MPU (medizinisch-psychologische-Untersuchung; vulgo Depperltest oder Idiotentest) prüfen. Bei reglementierten Berufen (Medizin, Recht, Erziehung, Sicherheitsgewerbe) kann eine Verurteilung berufsrechtliche Konsequenzen bis hin zum Entzug der Zulassung haben. Auch hier ist frühzeitige anwaltliche Begleitung entscheidend.

Wie kann ein Fachanwalt für Strafrecht den Ausgang meines Verfahrens beeinflussen?

Ein erfahrener Strafverteidiger prüft zunächst die Beweislage und die Rechtmäßigkeit der Ermittlungsmaßnahmen – etwa ob eine Durchsuchung ordnungsgemäß angeordnet wurde. Rechtswidrig erlangte Beweise können einem Verwertungsverbot unterliegen. Darüber hinaus verhandelt der Anwalt mit Staatsanwaltschaft und Gericht über eine Verfahrenseinstellung, eine Auflage oder eine deutlich reduzierte Strafe. Diese Handlungsmöglichkeiten existieren – aber nur, wenn sie rechtzeitig genutzt werden.

Warum sollte ich gerade bei einem Kokain-Strafbefehl nicht auf einen Anwalt verzichten?

Ein Strafbefehl wirkt auf den ersten Blick überschaubar – ist es aber oft nicht. Die Folgen reichen von Geldstrafe und Führungszeugniseintrag bis zu beruflichen und fahrerlaubnisrechtlichen Konsequenzen. Wer ohne anwaltliche Beratung reagiert – oder gar nicht –, verschenkt wertvolle Verteidigungsmöglichkeiten. Als Fachanwalt für Strafrecht in München stehe ich Ihnen von der ersten Stunde an zur Seite. Kontaktieren Sie mich noch heute für eine vertrauliche Ersteinschätzung.

Welche Tipps gibt´s vom Strafverteidiger zum Schluss?

Strafverteidiger-Tipp 1: Je früher Sie einen Anwalt hinzuziehen und je früher dieser die Möglichkeit hat, lenkend einzugreifen, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse, die in Ihrem Ermittlungsverfahren bzw. in Ihrem Strafverfahren erreicht werden können.

Strafverteidiger-Tipp 2: Machen Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch! Es ist eines Ihrer wichtigsten Beschuldigtenrechte. Sie müssen sich nicht selbst belasten. Sie sollen keine Aussage zur Sache machen. Folgen Sie daher auch nicht der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, sondern kontaktieren Sie vorher einen auf das Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Sprechen Sie bitte nicht mit der Polizei, reden Sie mit mir!

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