Strafbefehl BtMG: Was Sie jetzt wissen und tun müssen

Ein Strafbefehl wegen eines BtMG-Verstoßes landet häufig ohne Vorwarnung im Briefkasten – kein Gerichtsverhandlung, kein persönliches Gespräch, nur ein Schreiben vom Amtsgericht mit einer Strafe darin. Wer dieses Dokument ignoriert oder falsch darauf reagiert, riskiert eine rechtskräftige Verurteilung, die sich jahre­lang im Bundeszentralregister hält. Dieser Artikel erklärt, was ein Strafbefehl im Betäubungsmittelstrafrecht bedeutet, welche Fristen gelten und wann ein Einspruch sinnvoll ist.

Betäubungsmittel Strafbefehl BtMG?

Ein Strafbefehl nach dem BtMG kann für Besitz oder Handel mit Betäubungsmitteln erlassen werden – die Einspruchsfrist beträgt nur 14 Tage.

Was ist ein Strafbefehl – und warum kommt er ohne Verhandlung?

Ein Strafbefehl ist ein schriftliches Urteil, das das Gericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft erlässt – ohne dass Sie vorher gehört werden. Die Rechtsgrundlage ist § 407 StPO. Das vereinfachte Verfahren ist zulässig, wenn die Staatsanwaltschaft die Beweislage für eindeutig hält und keine schwere Strafe erwartet.

Im Betäubungsmittelstrafrecht kommt es typischerweise bei Vorwürfen nach § 29 BtMG zum Strafbefehl – also beim unerlaubten Besitz, Erwerb oder Handel mit kleineren Mengen. Bei schwerwiegenden Vorwürfen wie Handeltreiben in nicht geringer Menge nach § 29a BtMG ist ein Strafbefehl nicht zulässig, weil dort mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe droht.

Welche Strafen können im Strafbefehl BtMG festgesetzt werden?

Im Strafbefehlsverfahren kann das Gericht folgende Sanktionen verhängen:

SanktionObergrenze / Besonderheit
Geldstrafein der Regel maximal 360 Tagessätze
Freiheitsstrafe zur BewährungBis zu 1 Jahr; nur beim durch Rechtsanwalt verteidigten möglich
FahrverbotBis zu 6 Monate
Entziehung der Fahrerlaubnis Sperrfrist im Strafbefehlsverfahren maximal 2 Jahre
EinziehungSichergestellte Betäubungsmittel, ggf. Geldbeträge

Wichtig: Ein Strafbefehl hat nach Ablauf der Einspruchsfrist dieselbe Rechtswirkung wie ein Urteil. Der Eintrag im Bundeszentralregister oder bei der zweiten Strafe bzw. Überschreitung von 90 Tagessätzen die Eintragung ins Führungszeugnis ist die Folge – unabhängig davon, ob es je zu einer Verhandlung kam.

Wie lange gilt die Einspruchsfrist beim Strafbefehl BtMG?

Die Frist beträgt zwei Wochen ab Zustellung des Strafbefehls. Das Verstreichenlassen der Frist bedeutet: Der Strafbefehl wird rechtskräftig, ohne dass Sie je vor Gericht waren. Eine Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand ist nur in engen Ausnahmefällen möglich – etwa bei nachgewiesener unverschuldeter Fristversäumnis.

Viele Beschuldigte unterschätzen, wie schnell diese 14 Tage vergehen – besonders wenn der Brief im Urlaub oder bei längerer Abwesenheit zugestellt wird. Wer zu diesem Zeitpunkt einen Strafverteidiger einschaltet, wahrt entscheidende Handlungsspielräume.

Soll ich Einspruch einlegen – oder den Strafbefehl akzeptieren?

Das ist die entscheidende Frage. Einspruch einzulegen ist keine automatisch bessere Wahl – es kommt auf den Einzelfall an. Ein Einspruch führt zur Hauptverhandlung; dort kann das Gericht auch eine höhere Strafe verhängen als im Strafbefehl vorgesehen.

Ein Einspruch lohnt sich besonders, wenn:

  • die Beweislage schwach oder fehlerhaft ist
  • ein Verwertungsverbot in Betracht kommt (z. B. wegen rechtswidriger Durchsuchung)
  • die Tagessatzhöhe bei der Geldstrafe falsch bemessen wurde
  • ein Eintrag im Führungszeugnis verhindert werden soll
  • berufliche Konsequenzen drohen (z. B. Zuverlässigkeitsprüfungen)

Erfahrene Strafverteidiger prüfen in diesen Fällen regelmäßig, ob ein Verwertungsverbot greift – etwa wenn Betäubungsmittel bei einer Durchsuchung ohne hinreichenden Anfangsverdacht sichergestellt wurden.

Es ist auch möglich, den Einspruch auf die Tagessatzhöhe zu beschränken. Dann wird der Schuldvorwurf nicht bestritten, aber die Höhe der Geldstrafe angefochten. Das kann sinnvoll sein, wenn das Nettoeinkommen im Strafbefehl zu hoch angesetzt wurde. In diesem besonderen Fall ist eine rein schriftliche Entscheidung des Amtsgerichts im sog. Beschlusswege möglich, Ihr Erscheinen bei Gericht ist dann nicht erforderlich.

Akteneinsicht ist der erste Schritt: Erst wer die Ermittlungsakte kennt, kann eine fundierte Entscheidung über den Einspruch treffen.

Welche Folgen hat ein Strafbefehl BtMG für Bundeszentralregister und Führungszeugnis?

Jede strafrechtliche Verurteilung – auch per Strafbefehl – wird ins Bundeszentralregister eingetragen. Im Führungszeugnis erscheint sie dagegen nur, wenn die Geldstrafe mehr als 90 Tagessätze beträgt oder es sich nicht um die erste Verurteilung handelt. Die Tilgungsfristen sind lang:

  • Geldstrafe bis 90 Tagessätze oder Freiheitsstrafe bis zu 3 Monaten: Tilgung nach fünf Jahren
  • Geldstrafe über 90 Tagessätze oder Freiheitsstrafen von 3 Monaten bis zu einem Jahr: 10 Jahre Tilgungsfrist

Dies gilt aber nur, falls sich keine weiteren Eintragungen im BZR befinden.

Für Berufe mit Zuverlässigkeitsprüfung – etwa im Luftfahrtbereich, im öffentlichen Dienst oder im Sicherheitsgewerbe – kann selbst ein Eintrag unterhalb der Führungszeugnis-Schwelle gravierende Folgen haben. Hier lohnt ein genauer Blick, bevor man den Strafbefehl einfach akzeptiert.

Was gilt nach der Cannabis-Legalisierung 2024 beim Strafbefehl?

Seit April 2024 ist der Besitz von bis zu 25 g Cannabis im öffentlichen Raum nach § 3 KCanG straffrei. Wer einen Strafbefehl wegen Cannabis-Besitz in diesen Mengen erhalten hat, sollte prüfen, ob der Vorwurf nach neuer Rechtslage noch trägt. Bei Altfällen mit Cannabis kann die geänderte Gesetzeslage zu einer Einstellung oder einem Freispruch führen.

Für andere Betäubungsmittel – Kokain, Amphetamin, Ecstasy, Crystal Meth, Heroin – gelten nach wie vor die BtMG-Vorschriften. Hier kann bereits im unteren Grammbereich ein Strafbefehl ergehen.

Welche ersten Schritte sind nach Erhalt eines Strafbefehls richtig?

Die wichtigsten Schritte nach Zustellung eines Strafbefehls wegen BtMG:

  1. Datum der Zustellung notieren bzw. gelben Umschlag aufheben – die 14-Tage-Frist beginnt ab diesem Tag.
  2. Nicht reagieren ohne anwaltliche Beratung – weder Einspruch einlegen noch den Strafbefehl einfach akzeptieren, bevor die Aktenlage geprüft wurde.
  3. Einen Fachanwalt für Strafrecht kontaktieren – dieser beantragt Akteneinsicht und bewertet die Beweise.
  4. Keine Angaben gegenüber der Polizei machen, falls noch Ermittlungen laufen.

Ein spezialisierter Strafverteidiger kann auf Grundlage der Ermittlungsakte einschätzen, ob ein Einspruch Erfolg verspricht – und welche Strategie das beste Ergebnis bringt. Weitere Informationen zum Ablauf des Strafbefehlsverfahrens und zum Einspruch finden Sie auf dieser Seite.

Welche Tipps gibt´s vom Strafverteidiger zum Schluss?

Strafverteidiger-Tipp 1: Je früher Sie einen Anwalt hinzuziehen und je früher dieser die Möglichkeit hat, lenkend einzugreifen, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse, die in Ihrem Ermittlungsverfahren bzw. in Ihrem Strafverfahren erreicht werden können.
Strafverteidiger-Tipp 2: Machen Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch! Es ist eines Ihrer wichtigsten Beschuldigtenrechte. Sie müssen sich nicht selbst belasten. Sie sollen keine Aussage zur Sache machen. Folgen Sie daher auch nicht der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, sondern kontaktieren Sie vorher einen auf das Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Sprechen Sie bitte nicht mit der Polizei, reden Sie mit mir!

So geht´s weiter:

  • Sie kontaktieren mich unter 089/228433-55.
  • Sie erhalten einen Termin binnen 48 Stunden.
  • Wir besprechen Ihren Fall inklusive Chancenbewertung.
  • Nach Beauftragung durch Sie nehme ich Akteneinsicht.
  • Sobald die Akte vorliegt, planen wir gemeinsam unsere Strategie.