Chemistry King: Äußerungsbogen erhalten – was jetzt zu tun ist

Eine Sendung wird vom Zoll geöffnet, wenige Wochen später liegt ein Äußerungsbogen oder eine Ladung zur Beschuldigtenvernehmung im Briefkasten – und in der Akte steht der Name Chemistry King. Wer bei diesem Versandshop für Research Chemicals bestellt hat, findet sich plötzlich in einem Ermittlungsverfahren wieder und fragt sich: Wie sind die Behörden auf mich gekommen, und wie schlimm wird das? Diese Sorge ist verständlich. Viele empfinden den Vorwurf zudem als ungerecht, denn Besitz und Konsum mancher dieser Stoffe ist straffrei. Ein Ermittlungsverfahren ist aber noch keine Verurteilung. In diesem Beitrag erkläre ich Ihnen sachlich, worum es geht und welche Schritte jetzt zählen.

Was bedeutet ein Äußerungsbogen wegen Chemistry King?

Der Äußerungsbogen ist ein Formular, mit dem Ihnen ein Tatvorwurf mitgeteilt wird – meist die Einfuhr neuer psychoaktiver Stoffe. Die Staatsanwaltschaft prüft dabei „lediglich“ den Verdacht, sie verurteilt nicht. Ausfüllen müssen und sollen (!) Sie den Bogen nicht. Bis zum Beweis des Gegenteils gilt die Unschuldsvermutung, und Ihr Schweigen darf Ihnen nicht zum Nachteil gereichen.

Auch wenn Sie es als ungerecht empfinden: Der Besitz mancher dieser Substanzen ist straffrei – die Bestellung aus dem Ausland ist es nicht. Warum der Gesetzgeber diese Trennlinie gezogen hat, erläutere ich für Sie im Beitrag zum Bannbruch nach dem NpSG.

Wie sind die Ermittler an meinen Namen gekommen?

Über die Sendung. Chemistry King versendet aus den Niederlanden, und die Zollfahndung filtert Briefpost dieses Absenders an den zuständigen Briefzentren gezielt heraus. Wird eine Sendung geöffnet und der Inhalt sichergestellt, wird die Empfängeranschrift zum Ausgangspunkt der Ermittlungen. Von dort geben die Zollfahndungsämter das Verfahren an die für Ihren Wohnort zuständige Staatsanwaltschaft ab.

Auffällig ist, dass solche Verfahren in Serien auftreten. Das spricht dafür, dass Sendungen nicht zufällig, sondern nach Absender und Herkunftsland ausgesondert werden. Für Ihre Verteidigung ist das wichtig: Nach Akteneinsicht prüfe ich für Sie, was konkret gegen Sie vorliegt – und bei was es sich lediglich um die Mutmaßung des Zolls bzw. der Staatsanwaltschaft handelt.

Eine vom Zoll abgefangene Briefsendung steht am Anfang fast jedes Verfahrens wegen Research Chemicals.

Welche Substanzen verschickt Chemistry King?

Chemistry King tritt offen im Netz als Versandshop für Research Chemicals auf. Im Vordergrund stehen synthetische Cathinone wie 3-MMC, 3-CMC oder 2-MMC. Daneben werden Dissoziativa wie 2-FDCK und O-PCE, Lysergamide wie 1D-LSD sowie anabole Steroide und SARMs angeboten. Die rechtliche Einordnung fällt je nach Stoffgruppe völlig unterschiedlich aus.

SubstanzgruppeTypische BeispieleRechtliche Einordnung
Synthetische Cathinone3-MMC, 3-CMC, 2-MMC, 4-MPDNpSG; einzelne Stoffe inzwischen im BtMG
Dissoziativa2-FDCK, O-PCE, DMXENpSG oder BtMG – je nach Stoff
Lysergamide1D-LSD, 1P-LSDNpSG (Lysergamid-Stoffgruppe)
Synthetische CannabinoideJWH-Derivate, MDMB-VerbindungenNpSG-Stoffgruppe
Anabole Steroide / SARMsTrenbolon, Clenbuterol, MK-677AntiDopG bzw. Arzneimittelrecht

Entscheidend ist die Einstufung zum Tatzeitpunkt. Dieselbe Substanz kann heute unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz fallen und morgen im Betäubungsmittelgesetz stehen. Wie diese Abgrenzung im Einzelfall funktioniert, zeige ich im Beitrag zu synthetischen Cathinonen nach dem NpSG.

Welche Strafe droht bei einer Bestellung über Chemistry King?

Bei den meisten Research Chemicals ist die Einfuhr nach § 4 NpSG strafbar: Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Erwerb und Besitz zum Eigenkonsum sind dagegen nicht strafbewehrt. Steht ein Stoff bereits im Betäubungsmittelgesetz, gilt § 29 BtMG, bei nicht geringer Menge § 29a BtMG.

Für Steroide und SARMs greift dagegen das AntiDopG. Unabhängig vom Ausgang kann die sichergestellte Substanz nach § 5 NpSG eingezogen werden. Bei Ersttätern und kleinen Mengen zum Eigenbedarf bewegt sich die realistische Erwartung im Bereich einer Geldstrafe – häufig auch darunter.

Reicht die Empfängeradresse für eine Verurteilung?

Oft nicht. Die Anschrift auf einer abgefangenen Sendung belegt für sich genommen nicht, wer bestellt hat. Adressen lassen sich ohne Wissen der Bewohner verwenden, gerade in Mehrfamilienhäusern. Nach Akteneinsicht prüfe ich für Sie, ob die vorhandenen Beweise einen hinreichenden Tatverdacht überhaupt tragen – und an welcher Stelle sie Lücken haben.

Ein unausgefüllter Äußerungsbogen ist im Ermittlungsverfahren fast immer die bessere Entscheidung.

Wie reagiere ich auf Äußerungsbogen oder Ladung zur Beschuldigtenvernehmung?

Machen Sie keine Angaben zur Sache. Füllen Sie den Äußerungsbogen nicht aus und folgen Sie einer polizeilichen Ladung zur Beschuldigtenvernehmung nicht unvorbereitet. Ihr Schweigerecht nach § 136 StPO ist Ihr stärkstes Recht. Unterschreiben Sie auch keine beigefügte Einziehungserklärung ungeprüft – sie kann wie ein Eingeständnis wirken.

Ich erlebe häufig, dass Betroffene ihre Lage erst durch ein vorschnelles erstes Gespräch verschlechtern. Wer stattdessen früh anwaltlichen Rat einholt, behält seine Handlungsspielräume – und muss sich nicht allein gegenüber einer Behörde erklären, die den Vorgang längst kennt.

Kann das Verfahren wegen Chemistry King eingestellt werden?

Ja – bei Eigenbedarfsfällen ist das ein realistisches Ziel. Trägt die Beweislage nicht, ist nach § 170 Abs. 2 StPO einzustellen. Daneben kommen § 153 StPO und § 153a StPO in Betracht, bei BtMG-Stoffen auch § 31a BtMG.

Im besten Fall endet Ihr Verfahren damit ohne Anklage, ohne Hauptverhandlung und ohne Eintrag im Führungszeugnis. Welcher Weg trägt, zeigt sich allerdings erst, wenn die Akte auf dem Tisch liegt. Die Akteneinsicht ist deshalb der erste sinnvolle Schritt – und den nehme ich Ihnen ab.

Welche Tipps gibt´s vom Strafverteidiger zum Schluss?

Strafverteidiger-Tipp 1: Je früher Sie einen Anwalt hinzuziehen und je früher dieser die Möglichkeit hat, lenkend einzugreifen, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse, die in Ihrem Ermittlungsverfahren bzw. in Ihrem Strafverfahren erreicht werden können.
Strafverteidiger-Tipp 2: Machen Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch! Es ist eines Ihrer wichtigsten Beschuldigtenrechte. Sie müssen sich nicht selbst belasten. Sie sollen keine Aussage zur Sache machen. Folgen Sie daher auch nicht der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, sondern kontaktieren Sie vorher einen auf das Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt.
Sprechen Sie bitte nicht mit der Polizei, reden Sie mit mir!

So geht´s weiter:

  • Sie kontaktieren mich unter 089/228433-55.
  • Sie erhalten einen Termin binnen 48 Stunden.
  • Wir besprechen Ihren Fall inklusive Chancenbewertung.
  • Nach Beauftragung durch Sie nehme ich Akteneinsicht.
  • Sobald die Akte vorliegt, planen wir gemeinsam unsere Strategie.