Drogen im Darknet bestellt: Vorladung erhalten – was jetzt?

Sie haben Drogen im Darknet bestellt – und jetzt liegt eine Vorladung der Polizei im Briefkasten? Viele Beschuldigte haben sich auf Verschlüsselung, Bitcoin und anonyme Marktplätze verlassen. Umso größer ist der Schock, wenn plötzlich ein Ermittlungsverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz läuft. Die Sorgen sind verständlich: Was wissen die Ermittler? Droht eine Hausdurchsuchung? Belastet eine Vorstrafe die berufliche Zukunft? Dazu kommt ein „Informations-Ungleichgewicht“: Die Ermittler kennen die Beweislage, Sie dagegen erfahren aus der Ladung meist nur einen knappen Textbaustein. Hier lesen Sie, wie Ermittler Darknet-Käufer finden, was droht und wie Sie jetzt richtig reagieren.

Nicht die Bestellung, sondern die Postsendung ist bei der Drogenbestellung im Darknet meist die Schwachstelle.

Wie kommt die Polizei an meine Drogenbestellung im Darknet?

Anonym ist meist nur ein Teil des Bestellvorgangs. Chat und Bezahlung per Bitcoin laufen verschlüsselt, die Lieferung aber kommt ganz klassisch per Post. Genau dort setzen die Ermittler an: Verdächtige Postsendungen werden in Briefzentren abgefangen, teils mit Drogenspürhunden. Seit 2021 sind Postdienstleister außerdem verpflichtet, Sendungen mit zufällig entdecktem verdächtigem Inhalt den Strafverfolgungsbehörden vorzulegen. Wie es weitergeht, wenn der Zoll eine solche Sendung abfängt, lesen Sie im Beitrag zu Post vom Zoll wegen Drogen.

Häufig stammen die Daten auch von festgenommenen Händlern. Ermittler werten sichergestellte Datenträger aus, auf denen oft unverschlüsselte Kundendaten liegen. Teilweise übernehmen sie sogar die Accounts der Verkäufer – Stichwort: honeypot. Deutlich seltener führen Finanzermittlungen über Bitcoin-Zahlungen zu Ermittlungsergebnissen.

Auch offen im Netz auftretende Versandshops lösen Verfahren aus – etwa die Ermittlungen wegen Chemistry King. Zu vielen bekannten Darknet-Marktplätzen finden Sie eigene Beiträge:

MarktplatzBeitrag zum Ermittlungsverfahren
Silk RoadErmittlungen gegen Käufer und Verkäufer über Silk Road
Alphabay und Hansa MarketErmittlungsverfahren Alphabay und Hansa Market
Dream MarketBeschuldigtenvernehmung wegen Dream Market
Wall Street MarketRichtig verhalten nach Wall Street Market
crimenetwork.bizVorladung und Hausdurchsuchung wegen crimenetwork.biz
Chemical LoveVorladung wegen Chemical Love
Monopoly MarketÄußerungsbogen und Vernehmung wegen Monopoly Market
Archetyp MarketDrogenkauf auf Archetyp Market – was tun?
PygmalionErmittlungsverfahren als Kunde von Pygmalion

Drogen im Darknet bestellt und Vorladung erhalten – was wird mir vorgeworfen?

Die Vorladung zur Beschuldigtenvernehmung verrät kaum etwas. Im Betreff stehen oft nur Textbausteine wie „Verstoß gegen das BtMG“, „unerlaubter Erwerb von Betäubungsmitteln“ oder „unerlaubte Einfuhr“. Bei Cannabis lautet der Vorwurf inzwischen häufig auf Einfuhr von Cannabis nach dem KCanG. Welche Beweise vorliegen, erfahren Sie aus der Ladung hingegen nicht.

Genau deshalb rate ich Ihnen, keinesfalls allein zur Polizei zu gehen. Was bei der Beschuldigtenvernehmung wegen eines BtMG-Verstoßes im Darknet konkret auf Sie zukommt, erkläre ich in einem eigenen Beitrag.

Muss ich zur Beschuldigtenvernehmung bei der Polizei gehen?

Nein, Schweigen ist Gold! Einer Ladung der Polizei müssen Sie nicht folgen. Eine Pflicht zum Erscheinen besteht nur, wenn die Staatsanwaltschaft Sie selbst lädt oder die Polizei ausdrücklich in deren Auftrag lädt (§ 163 StPO, § 163a StPO). Schweigen dürfen und sollen (!) Sie immer: Ihr Schweigerecht nach § 136 StPO gilt ausnahmslos und darf nicht gegen Sie verwendet werden.

In BtM-Verfahren sitzen Ihnen geschulte Ermittler der Kriminalpolizei gegenüber. Viele Beschuldigte unterschätzen, welche Tragweite jegliche ihrer Antworten haben. Falls Sie statt einer Vorladung einen Äußerungsbogen wegen einer Darknet-Drogenbestellung erhalten haben, gilt dasselbe: keine Angaben zur Sache.

Ich habe schon ausgesagt – ist jetzt alles verloren?

Nein. Auch nach einer belastenden Aussage gibt es Verteidigungsmöglichkeiten. Ich prüfe für Sie insbesondere, ob Sie ordnungsgemäß über Ihr Schweigerecht belehrt wurden. Fehlt diese Belehrung oder wurde fehlerhaft belehrt, kann ein Beweisverwertungsverbot greifen. Zudem kommt es darauf an, was die Ermittler Ihnen ohne Ihre Aussage überhaupt nachweisen könnten. Je früher ich die Ermittlungsakte kenne, desto mehr Spielraum bleibt Ihnen.

Droht nach einer Darknet-Bestellung eine Hausdurchsuchung?

Das ist möglich – vor allem bei größeren Mengen, harten Drogen oder wiederholten Bestellungen. Die Ermittler suchen dann nach Resten der Lieferung, Verpackungen, Waagen oder Datenträgern. Bleiben Sie ruhig, leisten Sie keinen Widerstand und machen Sie keine Angaben. Welche Rechte Sie im Einzelnen haben, erläutert der Beitrag zur Hausdurchsuchung nach einer Darknet-Bestellung.

Welche Strafe droht, wenn ich Drogen im Darknet bestellt habe?

Das hängt von Art, Menge und Wirkstoffgehalt ab – und davon, ob die Ware aus dem Ausland kam. Wer im Darknet bestellt, dem wirft die Staatsanwaltschaft oft nicht nur den Erwerb, sondern auch die Einfuhr von Betäubungsmitteln vor. Schon der Versuch ist strafbar, also auch eine Bestellung, die nie angekommen ist.

VorwurfVorschriftStrafrahmen
Erwerb, Besitz oder Einfuhr (keine nicht geringe Menge)§ 29 BtMGGeldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 5 Jahre
Besitz oder Handeltreiben in nicht geringer Menge§ 29a BtMGFreiheitsstrafe von 1 bis 15 Jahren
Einfuhr in nicht geringer Menge§ 30 BtMGFreiheitsstrafe nicht unter 2 Jahren; im minder schweren Fall 3 Monate bis 5 Jahre
Einfuhr von Cannabis§ 34 KCanGGeldstrafe oder Freiheitsstrafe bis 3 Jahre; in besonders schweren Fällen 3 Monate bis 5 Jahre

Seriös einschätzen lassen sich Verteidigungschancen bzw. die Strafe erst nach Akteneinsicht. Einfluss haben auch Vorstrafen, eine mögliche Abhängigkeit und Ihr Verhalten nach der Tat, etwa eine Drogenberatung. Wie sich die Strafe bei einer Amphetamin-Bestellung im Darknet konkret bemisst, erläutere ich gesondert.

Spielt es eine Rolle, welche Substanz ich bestellt habe?

Ja, eine erhebliche. Ein Verfahren wegen Cannabis wird anders behandelt als eines wegen Kokain. Der BGH stuft zum Beispiel Amphetamin nicht als harte Droge ein – das wirkt sich auf die Strafzumessung aus. Entscheidend ist oft die Grenze zur nicht geringen Menge. Bei hochpotenten Stoffen ist sie schnell erreicht, wie mein Beitrag zur nicht geringen Menge LSD zeigt. Übrigens: Nicht jede Substanz fällt überhaupt unter das BtMG. Ketamin etwa unterliegt dem Arzneimittelrecht, was andere Tatbestände und Strafrahmen auslöst. Ausführlich dazu: Ketamin – BtMG, AMG oder NpSG? Auch bei legal wirkenden Präparaten lohnt der Blick darauf, wann die Bestellung von Arzneimitteln aus dem Ausland strafbar ist.

Erst die Akteneinsicht zeigt, ob der Vorwurf nach § 29 BtMG tatsächlich belegt ist.

Wie kann ein Verfahren wegen einer Drogenbestellung im Darknet enden?

Viele dieser Verfahren enden ohne Anklage, häufig sogar mit einer Einstellung. Ich prüfe für Sie vor allem, ob die Sendung Ihnen überhaupt zuzuordnen ist: Eine Adresse auf dem Päckchen beweist noch nicht, dass Sie bestellt haben. Je nach Aktenlage kommen diese Wege in Betracht:

VerfahrensausgangTypische Voraussetzung
Einstellung mangels Tatverdachts (§ 170 Abs. 2 StPO)Die Bestellung lässt sich Ihnen nicht nachweisen
Absehen von Verfolgung (§ 31a BtMG)Geringe Menge zum Eigenverbrauch, geringe Schuld
Einstellung gegen Auflage (§ 153a StPO)Kein überwiegendes öffentliches Interesse an Strafverfolgung, z. B. Geldauflage
Therapie statt Strafe (§ 35 BtMG)Abhängigkeit, Freiheitsstrafe bis 2 Jahre, Therapiebereitschaft

Im besten Fall endet Ihr Verfahren rein schriftlich, idealerweise ohne Eintrag im Führungszeugnis – und Sie können dieses Kapitel abschließen. Wer früh einen Strafverteidiger einschaltet, wahrt die entscheidenden Handlungsspielräume, bevor erste Weichen gestellt sind.

Welche Tipps gibt´s vom Strafverteidiger zum Schluss?

Strafverteidiger-Tipp 1: Je früher Sie einen Anwalt hinzuziehen und je früher dieser die Möglichkeit hat, lenkend einzugreifen, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse, die in Ihrem Ermittlungsverfahren bzw. in Ihrem Strafverfahren erreicht werden können.
Strafverteidiger-Tipp 2: Machen Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch! Es ist eines Ihrer wichtigsten Beschuldigtenrechte. Sie müssen sich nicht selbst belasten. Sie sollen keine Aussage zur Sache machen. Folgen Sie daher auch nicht der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, sondern kontaktieren Sie vorher einen auf das Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Sprechen Sie bitte nicht mit der Polizei, reden Sie mit mir!

So geht´s weiter:

  • Sie kontaktieren mich unter 089/228433-55.
  • Sie erhalten einen Termin binnen 48 Stunden.
  • Wir besprechen Ihren Fall inklusive Chancenbewertung.
  • Nach Beauftragung durch Sie nehme ich Akteneinsicht.
  • Sobald die Akte vorliegt, planen wir gemeinsam unsere Strategie.