FAQ Jugendstrafrecht: Antworten für Eltern und Jugendliche

Ein Brief von der Polizei, ein Anruf der Schule, eine Vorladung im Briefkasten: Wird Ihr Kind beschuldigt, stehen Sie als Familie plötzlich vor vielen Fragen. In diesem FAQ zum Jugendstrafrecht beantworte ich die häufigsten davon kurz und verständlich. Die größte Sorge ist fast immer dieselbe: Verbaut ein einziger Fehler die Ausbildung oder den Berufsstart? Das wäre nicht fair – und das Jugendgerichtsgesetz (JGG) will genau das verhindern. Es setzt auf Erziehung statt auf Vergeltung. Die Grundidee dahinter erklärt mein Beitrag zum Erziehungsgedanken im Jugendstrafrecht.

Muss mein Kind einer Vorladung der Polizei folgen?

Nein. Einer polizeilichen Vorladung muss Ihr Kind nicht folgen – anders als einer Ladung von Staatsanwaltschaft oder Gericht. Als Beschuldigter hat es zudem ein umfassendes Schweigerecht (§ 136 StPO). Ich rate Ihnen: erst Akteneinsicht, dann Entscheidung. Wenn ich die Ermittlungsakte für Sie kenne, lässt sich beurteilen, ob eine Aussage hilft oder schadet.

Dürfen Eltern bei der Vernehmung ihres Kindes dabei sein?

Grundsätzlich ja. Nach § 67 JGG ist Erziehungsberechtigten die Anwesenheit bei Vernehmungen ihres jugendlichen Kindes gestattet. Eine Pflicht dazu besteht nicht, und in Ausnahmefällen können Eltern ausgeschlossen werden. Viele Familien unterschätzen, wie stark das erste Gespräch mit der Polizei den weiteren Verlauf prägt. Ihre Anwesenheit ersetzt daher keine anwaltliche Beratung vorab.

Im Jugendstrafverfahren muss Ihr Kind einer polizeilichen Vorladung nicht folgen – das Schweigerecht gilt vom ersten Kontakt an.

Bekommt mein Kind eine Vorstrafe – was steht im Führungszeugnis?

Meist nicht. Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel und Einstellungen werden nur im Erziehungsregister vermerkt. Dieses sehen Gerichte und Staatsanwaltschaften, nicht aber Arbeitgeber. Auch eine Jugendstrafe bis zu zwei Jahren mit Bewährung erscheint nicht im einfachen Führungszeugnis (§ 32 BZRG). Für das erweiterte Führungszeugnis gelten teils strengere Regeln.

Welche Strafen gibt es im Jugendstrafrecht?

Das JGG kennt drei Stufen: Erziehungsmaßregeln (§ 9 JGG), Zuchtmittel (§ 13 JGG) und die Jugendstrafe (§ 17 JGG). Das Gericht wählt die mildeste Reaktion, die erzieherisch ausreicht. Die Übersicht zeigt auch, was das für das Führungszeugnis bedeutet:

ReaktionBeispieleZielIm einfachen Führungszeugnis?
Einstellung (Diversion)Arbeitsstunden, Entschuldigung, KursVerfahren ohne Urteil beendenNein
ErziehungsmaßregelnWeisungen, Sozialtraining, Anti-Gewalt-KursUnterstützen und fördernNein
ZuchtmittelVerwarnung, Arbeitsauflage, JugendarrestDeutliche Grenzen setzenNein
Jugendstrafe bis 2 Jahre mit BewährungBewährungszeit mit AuflagenLetzte Chance in FreiheitNein, solange kein Widerruf
Jugendstrafe ohne BewährungJugendvollzugReaktion auf schwere oder wiederholte TatenIn der Regel ja

Wie lange kann eine Jugendstrafe dauern?

Eine Jugendstrafe kommt nur bei schädlichen Neigungen oder besonderer Schwere der Schuld in Betracht. Sie beträgt sechs Monate bis fünf Jahre, bei schweren Verbrechen bis zu zehn Jahre (§ 18 JGG). Bis zu zwei Jahre können zur Bewährung ausgesetzt werden. Ausführlich dazu mein Beitrag zu Jugendstrafe und Bewährung.

Was bedeutet Diversion im Jugendstrafrecht?

Diversion heißt: Das Verfahren endet ohne Urteil. Die Staatsanwaltschaft (§ 45 JGG) oder das Gericht (§ 47 JGG) sieht von weiterer Verfolgung ab, oft gegen eine erzieherische Leistung. Als Strafverteidiger in München setze ich bei Ersttätern und leichteren Vorwürfen genau hier an – damit Ihrem Kind eine Verhandlung erspart bleibt.

Welche Formen der Diversion im Jugendstrafverfahren es gibt und was sie für das Erziehungsregister bedeuten, erläutere ich in einem eigenen Beitrag.

Was passiert nach einer Anzeige gegen einen Jugendlichen?

Polizei und Staatsanwaltschaft führen ein Ermittlungsverfahren. Dazu gehören Vorladungen, Zeugenvernehmungen und mitunter eine Hausdurchsuchung mit Auswertung von Handys. Am Ende entscheidet die Staatsanwaltschaft über Einstellung, Diversion oder Anklage beim Jugendgericht. Wer in dieser Phase einen Strafverteidiger einschaltet, wahrt die meisten Handlungsspielräume – denn hier fallen oft die Weichen.

Ab welchem Alter ist ein Kind strafmündig?

Ab 14 Jahren. Kinder unter 14 sind schuldunfähig (§ 19 StGB); gegen sie gibt es kein Strafverfahren, wohl aber kann das Jugendamt tätig werden. Ab 14 ist ein Jugendlicher verantwortlich, wenn er nach seiner Reife das Unrecht einsehen kann (§ 3 JGG). Einen Gesamtüberblick bietet meine Seite zum Jugendstrafrecht in München.

Wann wird bei 18- bis 20-Jährigen Jugendstrafrecht angewendet?

Bei Heranwachsenden prüft das Gericht nach § 105 JGG, ob sie in ihrer Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstehen oder ob die Tat eine typische Jugendverfehlung ist. Dann gilt Jugendstrafrecht, sonst Erwachsenenstrafrecht. Für diese Weichenstellung zeige ich dem Gericht Reife, Ausbildung und Lebensumstände des jungen Menschen auf – oft der wichtigste Hebel im Verfahren. Nach welchen Kriterien die Gerichte dabei entscheiden, erläutere ich im Beitrag zu Heranwachsenden im Strafrecht.

Welche Vorwürfe sind im Jugendstrafrecht typisch?

Häufig geht es um Diebstahl, Körperverletzung, Drogen, Fahren ohne Fahrerlaubnis oder Beleidigungen in sozialen Medien. Was bei einem fremden Ausweis gilt, erläutere ich im Beitrag zum Missbrauch von Ausweispapieren durch Jugendliche.

Verbreitet ist auch Sprayen: Was bei Graffiti und Sachbeschädigung droht, klärt ein eigenes FAQ. Ein Vorwurf macht Ihr Kind nicht zum „Kriminellen“.

Was bedeuten Verwarnung, Arbeitsauflage und Jugendarrest?

Diese Zuchtmittel sollen Grenzen setzen, ohne eine Vorstrafe zu begründen. Die Verwarnung ist eine förmliche Rüge des Richters. Arbeitsauflagen bedeuten gemeinnützige Stunden. Jugendarrest ist ein kurzer Freiheitsentzug: als Freizeitarrest am Wochenende, als Kurzarrest bis zu vier Tagen oder als Dauerarrest von einer bis vier Wochen (§ 16 JGG).

Wie läuft die Verhandlung vor dem Jugendgericht ab?

Gegen Jugendliche wird nicht öffentlich verhandelt (§ 48 JGG). Anwesend sind Gericht, Staatsanwalt, Verteidiger, Jugendgerichtshilfe, Ihr Kind und Sie als Eltern. Nach der Anklage folgen Beweisaufnahme und Urteil. Ihr Kind muss grundsätzlich persönlich erscheinen (§ 50 JGG). Ich bereite Sie beide vorher auf jeden Schritt vor.

Welche Rolle spielt die Jugendgerichtshilfe?

Die Jugendgerichtshilfe – heute „Jugendhilfe im Strafverfahren“ – kommt vom Jugendamt (§ 38 JGG). Sie berichtet dem Gericht über Entwicklung und Umfeld und unterstützt die Familie. Vorsicht: Sie hat kein Zeugnisverweigerungsrecht. Was Ihr Kind dort zur Tat sagt, kann im Verfahren verwendet werden. Ich stimme deshalb vorher mit Ihnen ab, worüber gesprochen wird.

Hat mein Kind Anspruch auf einen Pflichtverteidiger?

In vielen Fällen ja. Bei Jugendlichen ist die Verteidigung nach § 68 JGG zusätzlich zu § 140 StPO notwendig – etwa schon dann, wenn eine Jugendstrafe zu erwarten ist, oder bei Untersuchungshaft. Für Heranwachsende gilt vor allem § 140 StPO. Sie dürfen einen Anwalt Ihres Vertrauens als Pflichtverteidiger benennen.

Wer trägt die Kosten im Jugendstrafverfahren?

Bei einer Verurteilung kann das Gericht davon absehen, dem jungen Menschen die Verfahrenskosten aufzuerlegen (§ 74 JGG). Die Kosten des eigenen Wahlverteidigers fallen nicht darunter. Bei einem Freispruch trägt die Staatskasse die notwendigen Auslagen in Höhe der gesetzlichen Gebühren. Im ersten Gespräch erläutere ich Ihnen transparent, womit Sie rechnen müssen.

Wann werden Einträge wieder gelöscht?

Einträge im Erziehungsregister werden in der Regel mit dem 24. Geburtstag entfernt, sofern im Zentralregister keine Freiheits- oder Jugendstrafe steht (§ 63 BZRG). Jugendstrafen werden nach gesetzlichen Fristen getilgt, bei kürzeren Strafen häufig nach fünf Jahren. Danach dürfen sie grundsätzlich nicht mehr vorgehalten werden. Welche Frist gilt, prüfe ich für Sie anhand des Urteils.

Eine Übersicht aller Fristen finden Sie in meinem Beitrag zur Vorstrafe nach dem Jugendverfahren.

Wie können Eltern ihr Kind im Verfahren unterstützen?

Bleiben Sie ruhig und geben Sie weder gegenüber Polizei noch Schule vorschnelle Erklärungen ab. Sammeln Sie alle Schreiben und drängen Sie Ihr Kind nicht zu einem Geständnis. Gibt es Schulprobleme, Drogenkonsum oder psychische Belastungen, binde ich mit Ihnen passende Hilfsangebote ein. Gerichte und Jugendgerichtshilfe werten solche eigenen Schritte regelmäßig positiv.

Ob ein Urteil im Führungszeugnis erscheint, hängt im Jugendstrafrecht von Art und Höhe der Sanktion ab.

Kann ein einmaliger Fehler die Zukunft Ihres Kindes verbauen?

In aller Regel nicht. Das Jugendstrafrecht bietet viele Wege, angemessen und mild zu reagieren. Gerade bei Ersttätern ist eine Einstellung oder eine Maßnahme ohne Eintrag im Führungszeugnis oft erreichbar. Ziel ist, dass Ihr Kind im besten Fall mit einer Lehre, aber ohne Makel aus dem Verfahren geht – und Schule, Ausbildung oder Studium wie geplant fortsetzt.

Welche Tipps gibt´s vom Strafverteidiger zum Schluss?

Strafverteidiger-Tipp 1: Je früher Sie einen Anwalt hinzuziehen und je früher dieser die Möglichkeit hat, lenkend einzugreifen, desto besser sind in der Regel die Ergebnisse, die in Ihrem Ermittlungsverfahren bzw. in Ihrem Strafverfahren erreicht werden können.
Strafverteidiger-Tipp 2: Machen Sie unbedingt von Ihrem Schweigerecht Gebrauch! Es ist eines Ihrer wichtigsten Beschuldigtenrechte. Sie müssen sich nicht selbst belasten. Sie sollen keine Aussage zur Sache machen. Folgen Sie daher auch nicht der Ladung zur Beschuldigtenvernehmung, sondern kontaktieren Sie vorher einen auf das Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalt.

Sprechen Sie bitte nicht mit der Polizei, reden Sie mit mir!

So geht´s weiter:

  • Sie kontaktieren mich unter 089/228433-55.
  • Sie erhalten einen Termin binnen 48 Stunden.
  • Wir besprechen Ihren Fall inklusive Chancenbewertung.
  • Nach Beauftragung durch Sie nehme ich Akteneinsicht.
  • Sobald die Akte vorliegt, planen wir gemeinsam unsere Strategie.